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Bürgermeister Dr. Johann Smidt 1773- 1857


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Theologe, Senator, Bürgermeister, hanseatischer Staatsmann, Gründer Bremerhavens
geb. 5.11. 1773 Bremen, gest. 7.5. 1857 Bremen (ev.-ref.)

Dieses berühmten Mannes sei an dieser Stelle gedacht, der als Prediger auf der alten Grambker Kanzel gestanden hat: Es ist Bremens großer Bürgermeister Johann Smidt. Er hatte zunächst Theologie studiert, dann aber nach dem Examen, das er mit 20 1/2 Jahren (!) ablegte, doch kein Pfarramt übernommen. Gepredigt aber hat er in jungen Jahren oft. Im Grambker Gemeindebericht von 1914 finden wir einen Hinweis auf einen Brief, den er 1791 an einen Freund schrieb: "Am 10. Julius predigte ich zuerst in Wasserhorst; am folgenden Sonntag predigten wir beide: Lange hielt seine erste Predigt in Büren und ich darauf meine zweite in Grambke. Alles ist gut und glücklich vonstatten gegangen. Wie ich in die Grambker Kirche ging, donnerte es ubd es blitze von allen Seiten und hörte nicht eher auf, bis ich glücklich geendigt hatte...... Ein Bauer aus Grambke sagte meiner Mutter, die es sich nicht hatte nehmen lassen, ihren Sohn zu begleiten, nach geendigter Predigt, wie er sich gewundert habe, daß ein so junger Fent (Smidt war damals 18 Jahre alt!!!) über dem Gewitter seine ganze Freimütigkeit behalten hätte."
 

Die Kleine Dunge war seit dem 17. Jh. Eigentum Bremer Bürgerfamilien, seit 1772 des Predigers Johann Smidt. Bürgermeister Johann Smidt nutze das Landgut seit 1813 als Sommersitz; nach ihm blieb das Gut bei der Familie Smidt. Das Wohnhaus brannte 1884 ab. Heute ist in dem Gebäude und auf dem Gelände ein Golfclub untergebracht.
 

  • Entgegen eines Irrglaubens muß noch einmal klar gestellt werden, das nicht Johann Smidt der Namenspatron der Straße "An Smidts Park" ist. Die Straße wurde nach seinem Enkel, dem Bremer Kaufmann Georg Wilhelm Olbers Smidtbenannt. Dieser legte 1883 / 84 auf der ehemaligen Grambker Schweineweide, einem sumpfigen Gelände, einen sehr schönen Park an, den "Föhrenbrok", mit Teich und Fischerhütte. Um 1900 erwarb er auch in Grambkermoor das Dünengelände am Berge Sinai, auf dem er das herrliche Anwesen "Birkenhof" errichtete.

 

Kindheit und Ausbildung
Der Sohn des Bremer Pastors an St. Stephani, Johann Smidt (1712 - 1796), und seiner Frau Johanne geb. Holler (1741 - 1814), wuchs mit seiner Schwester Gesche Catharina (1775 - 1827) am Stephanikirchhof in Bremen auf. Nach anfänglichem Privatunterricht im elterlichen Haus war er Schüler des lateinischen Pädagogiums (1785 - 1890) und des Gymnasium Illustre (1790 - 1792). Gegen den Wunsch seines Vaters, Theologie mit streng calvinistischer Ausrichtung zu studieren, schrieb er sich von 1792 bis 1794 an der fortschrittlich orientierten Universität Jena für die Fächer Theologie und Philosophie ein, hörte daneben auch Vorlesungen über Literatur und Geschichte, u.a. bei Friedrich Schiller. Am 7.4. 1795 legte er vor dem Geistlichen Ministerium in Bremen sein Kandidatenexamen ab, bevor er nach Jena zurückkehrte. Dort hatte er zusammen mit Gleichgesinnten 1794 den Bund der freien Männer gegründet, eine literarische Gesellschaft, in der reihum Vorträge zu Theologie, Philosophie, Geschichte und Politik gehalten wurden. An den Treffen nahm bisweilen auch Johann Gottlieb Fichte teil, mit dem Smidt bald eine besondere Nähe verband. Aus den Reihen dieser Gesellschaft entstanden einige, teilweise durch Briefwechsel fortgeführte Freundschaften.

Heirat mit Johanna Rohde
Von Oktober 1795 bis März 1797 war Smidt als Kandidat der Theologie und als Hilfsprediger in Bremen und Umgebung tätig; in dieser Zeit hielt er auch öffentliche Vorlesungen über Universalgeschichte. Seine berufliche Zukunft war zu diesem Zeitpunkt absolut ungewiß, so daß er nicht wagen durfte, sich zu binden. Doch verlobte er sich - mit dem gegenseitigen Versprechen, sich jederzeit wieder lossagen zu können - heimlich mit der Bremer Apothekerstochter Johanne Wilhelmine Rohde (1777 - 1848). Das Vorhaben platzte jedoch, während Smidt von April bis Oktober 1797 auf einer Bildungsreise in der Schweiz und in Norditalien weilte, denn seine Verlobte hatte sich ihren Eltern anvertrauen müssen, weil sie sich der aufdringlichen Werbung eines anderen Mannes ausgesetzt sah. Auf dem Rückweg nach Bremen ließ Smidt sich in Zürich zum reformierten Prediger ordinieren. Danach wurde er zum Professor am Gymnasium Illustre berufen, welches Amt er von Oktober 1797 bis Dezember 1800 innehatte. Damit war er finanziell soweit abgesichert, dass er am 1.1. 1798 Johanne Rohde heiraten konnte. Von 1799 bis 1802 gab Smidt die Zeitschrift "Hanseatisches Magazin" heraus, die die Stellung der Freien Städte Lübeck, Hamburg und Bremen politisch stärken sollte.

Senatorenjahre
Am 13.12. 1800 wurde Smidt auf Lebenszeit zum Bremischen Senator gewählt, obwohl er entgegen altem Herkommen und im Gegensatz zu seinen Senatskollegen kein Jurist oder Kaufmann war. Sein Studium und seine Tätigkeit als Gymmasialprofessor waren ihm jedoch nützlich bei der Ausübung des ihm lebenslang übertragenen Senatsamts des Scholarchen, der für das Bremer Schulwesen zuständig war. Doch er arbeitete sich schnell in die neuen politischen und juristischen Aufgaben ein, die seinen Fähigkeiten und Neigungen weit mehr entsprachen als Theologie und Philosopie. So wurde er zwischen 1806 und 1811 im Auftrag des Bremer Senats mehrfach nach Hamburg und Lübeck gesandt, um zusammen mit den Vertretern beider Städte über die Situation nach dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches, während der Napoleonischen Kriege und während der französischen Besatzungszeit zu beraten sowie auch mit den Vertretern Frankreichs zu konferieren. Von Februar bis Juni 1811 führte ihn eine Dienstreise nach Paris, wo er schließlich eine Audienz bei Kaiser Napoleon erreichte. Aufgrund der Einführung der französischen Verfassung und Verwaltung in Bremen verlor Smidt wie alle seine Senatskollegen das einträgliche Senatorenamt. So ließ er sich im September 1811 zum kaiserlichen Notar ernennen und übte dieses Amt bis November 1813 aus, als der Bremer Senat, nachdem der Widerstand gegen Napoleon in der Völkerschlacht bei Leipzig übermächtig geworden war, wieder zu tagen begann. Smidt, der inzwischen zum außenpolitischen Experten des Senats avanciert war, wurde mit der Aufgabe betraut, ins Hauptquartier der Napoleongegner nach Frankfurt a.M. zu reisen, um die Interessen Bremens zu vertreten. Dort lernte er einflußreiche Politiker kennen, mit denen er bald auf vertrautem kollegialen Fuße stand, u.a. den Freiherrn vom Stein, Wilhelm von Humboldt, Hardenberg und Metternich. Da Smidt die Bremer Interessen auswärts in sehr schwieriger Zeit bestens vertreten hatte, war es naheliegend, ihn als Vertreter Bremens 1814 / 1815 zum Wiener Kongress, wo er sich erfolgreich für die Selbständigkeit der vier freien Städte einsetzte, sowie von 1815 bis 1848 zur Bundesversammlung nach Frankfurt a.M. zu entsenden, wohin er mit Frau und Kindern zog, weil er nicht ohne seine Familie leben wollte. Als Smidt am 26.4. 1821 zum Bürgermeister der Stadt Bremen gewählt wurde, hatte er im Wechsel mit seinen drei Kollegen im Bürgermeisteramt das Präsidium im Senat zu übernehmen, so dass er sich turnusmäßig immer in der zweiten Hälfte aller Jahre in Bremen aufhalten mußte. Er verlegte seinen Wohnsitz wieder nach Bremen, war aber immer dann, wenn er die Stimme der vier freien Städte in der Bundesversammlung zu vertreten hatte, in Frankfurt. Als Bremen 1848 im Zuge der Revolution ein neues Wahlrecht, 1849 eine demokratische Verfassung erhielt, wurde auf Smidts Betreiben die Bundesversammlung in die vom Bremer Senat gewünschte Gegenrevolution involviert und 1852 / 1854 unter seinem Einfluß die junge Verfassung wieder abgeschafft. An der konservativen und teilweise reaktionären Verfassung von 1854 war er maßgeblich beteiligt.

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Gründung Bremerhavens
Mit Smidts Namen sind aber auch die Beseitigung des Elsflether Zolls auf der Weser 1819 / 1820 und die Gründung Bremerhavens verbunden. Nach der Versandung der Unterweser und aufgrund der Widrigkeit, dass die bremischen Schiffe in Häfen des Großherzogtums Oldenburg löschen und laden mußten, wurde es notwendig, einen neuen Bremer Seehafen anzulegen. 1825 trat Smidt mit dem Königreich Hannover in Verhandlungen, um für Bremen einen neuen Hafenplatz am rechten Weserufer nahe der offenen See zu erwerben. Am 11.11. 1827 kam es zu einem offiziellen Abkommen, das am 28. Februar von König Georg IV von England und am 9. März von Senat und Bürgerschaft ratifiziert wurde. Für die Anlage des Hafenbeckens an der Geestemündung konnte Smidt den niederländischen Wasserbauingenieur Johann Jakob van Ronzelen verpflichten, der erste Spatenstich erfolgte am 1.7. 1827. Am 13.9. 1830 wurde der Hafenbetrieb offiziell aufgenommen, als mit der DRAPER des amerikanischen Kapitäns Hillert das erste Schiff einlief. Dem weiteren Ausbau des Hafens und der Ansiedlung in Bremerhaven galt Smidts stetige Fürsorge. Um zahlreiche Einzelheiten in der Verwaltung kümmerte er sich anfänglich persönlich; die provisorische Gemeindeordnung von 1837 wie auch die städtische Verfassung von 1851 sind von ihm beeinflußt. Zudem wußte er ihm nahestehende, fähige Persönlichkeiten für das wichtige Amt des bremischen Verwaltungsbeamten (Amtmann) zu gewinnen - zunächst Dr. Johann Heinrich Castendyk, den Sohn seiner Schwester, und nach dessen frühem Tode Dr. Johann Thulesius.

Die "Große Kirche"
Wichtig war ihm auch die kirchliche Versorgung Bremerhavens, für die zunächst die Einrichtungen des nahegelegenen hannoverschen Fleckens Lehe in Anspruch genommen werden mußten. Der von ihm forcierte Bau eines eigenen Gotteshauses wurde mit der Einweihung der "Großen Kirche" in seiner Gegenwart am 22.4. 1855 abgeschlossen; sie erhielt 1927 den Namen "Bürgermeister-Smidt-Gedächtniskirche". Ebenso machte Smidt seinen Einfluß bei der Predigerwahl geltend, die auf den gleichgesinnten liberalen Theologen Heinrich Wolf fiel, der mit ihm die in Bremen geltende unierte, Lutheraner und Reformierte gleichermaßen umfassende Kirchenverfassung durchsetzte. Damit legte er den Grundstein für die liberale Ausrichtung der Bremerhavener Gemeinde. Smidt gehört mit dem Senator Arnold Duckwitz und dem Kaufmann Karl Theodor Gevekoht auch zu den entschiedenen Förderern des deutsch-amerikanischen Handels und der Auswanderung und in diesem Zusammenhang des Projekts einer direkten transatlantischen Dampfschiffsverbindung von Bremerhaven nach New York. Smidt war der letzte auf Lebenszeit gewählte Bremer Senator und Bürgermeister.

 

(Monika M. Schultze in : Bremerhavener Persönlichkeiten aus vier Jahrhunderten - ein biographisches Lexikon. Hrsg. Hartmut Bickelmann, Bremerhaven, 2003, 2. erw. und korr. Aufl., S. 327 ff.)




 

((Bürgermeister-Smidt-Straße))
Sie war die Hauptstraße schon im ältesten Bremerhaven von 1827 / 1830 und hieß damals Chaussee nach Bremerlehe oder Leher Straße. Am 1. Mai 1864 wurde sie zu Ehren des Gründers von Bremerhaven, des Bürgermeisters Johann Smidt, in ((Bürgermeister-Smidt-Straße)) umbenannt. Im Volksmund heißt sie einfach "die Bürger". Im Laufe der Jahrzehnte wurde sie erheblich nach Norden erweitert:"verlängerte Bürger" zwischen Lloydstraße und jetzigem ((Bügermeister-Martin-Donandt-Platz)), und am 31. Oktober 1949 erhielt die im Norden anschließende Kaiserstraße ebenfalls den Namen ((Bürgermeister-Smidt-Straße)). Sie ist für "alte Bremerhavener" aber noch die Kaiserstraße oder die neue Bürger, aber keinesfalls "Alte Bürger" wie häufig gesagt wird.

(Herbert Körtge: Die Straßennamen der Seestadt Bremerhaven, 1992, S. 69)





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