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Lesumbrok

Hof Jachens

  • Lesumbroker Landstr. 134
aus dem Buch 'Werderland und umzu' (Seiten 50 - 52) von Wilfried Hoins, 1998

Geschichtlicher Rückblick auf die Bauernstelle Jachens

INFO
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Linksseitig der Straße Nr. 134, liegt der Hof Jachens. Dieser Hof weist, wie von Lüder Halenbeck 1893 auf dreieinhalb Druckseiten zu Papier gebracht, eine reichhaltige Geschichte auf. Die ausgiebigen Angaben über die Besitzverhältnisse und das Meierwesen sollen hier - Zweitrangiges ausgelassen - in Kurzform wiedergegeben werden.

Der Jachensche Hof wird in den schriftlichen Quellen als Besitztum des aus der Schwedenzeit bekannten, verräterischen Bürgermeisters Statius Speckhan bezeichnet. Speckhan (1599 - 1679) stand im Verdacht, in den Auseinandersetzungen um die Unabhängigkeit Bremens nach dem Ende des 30jährigen Krieges in geheimer Absprache mit den Schweden zusammengearbeitet zu haben. Unter Hochverratsverdacht mußte er im Jahre 1654 sein Amt aufgeben.

Im November 1643 kaufte der Bremer Ratsherr Statius Speckhan von dem Rathmann von Bremen und Amtsmann von Bederkesa Bethenio Bettken (Amtszeit 1637 - 1674) "ein ganz durchstrecktes Land Landes (die Bezeichnung "Land Landes" ist gleichzustellen mit Hufe. Ein Land Landes umfaßt etwa 60 Morgen = 15 ha) mit einem daran legenden hohen Weg zum Scheid", und vergab es 1644 für 15 "Speciesthaler" jährlich zu Meierrecht an Cord Hoymann. Weitere beieinander gelegene Ländereien hochgehend bis zum Landweg kaufte Speckhan von seiner Mutter Ilsabe, geborene Nettelstrückes und "verheuerte" sie ebenfalls an Hoymann.

Der Meier mußte Deiche, Dämme, Wege, Stege, Siele, Fleete und Gräben instandhalten sowie alle anderen Lasten übernehmen. Speckhan, königlicher Schwedischer Geheim- und Etat- Rath, quittiert seinen Dienst 1675. Im Jahre 1679 verstarb er mit 80 Jahren.

Nachfolger war der Cammerpräsident und Hofmeister Johann Georg Seiffart von Edelsheim und dessen Gemahlin Elisabeth, geb. Speckhan. 1683 ging der Besitz von seinem Schwager von Edelsheim für 10 000 Thaler an Dr. Statius Speckhan, junior, über. Die Meierrechte auf diesem Hof erhielt Johann, der Sohn von Cord Hoymann. 1686, nach dem Tod von Speckhan jun., verkaufte seine Tochter Helene, verehelicht mit Obrist Christian von Fohringschild, für 1450 Thaler an Herrn Dr. Hermann Dwerhagen (seit 1681 Rathsherr) das Anwesen.

Nach Hoymanns Tode heiratete die Witwe Harm Hinrich Bolland, der das Meierwesen auf der Bauernstelle von Dwerhagen bis 1767 fortsetzte. Von hieran übernahm Johann Jachens, Ehemann von Katharina, geb. Hoymann (aus erster Ehe) die Meierrechte. H. Heinrich Bolland erhielt als Altenteil eine Kuh, ein Kalb, ein Pferd und ein Füllen sowie 8 Thaler jählich für Essen und Trinken. Die Gutherrschaft ging nach dem Tode von Frau Dr. Dwerhagen auf Frau Hanewinkel, geb. Dwerhagen, über, und diese gab Johann Jachens am 1. September 1799 ein siebten Tagewerk großes Stück Land zu Meierrecht. Claus Jachens übernahm nach dem Tode seines Vaters mit gleichen Rechten im Jahre 1804 die Meierstelle.

Nach dem Tode seiner Frau ging Claus Jachens mit Margarethe Bolland aus Oslebshausen die zweite Ehe ein. Nach Landesbrauch brachte sie ein beachtliches Vermögen in bar und in materieller Form als Mitgift auft den Meierhof, der noch Frau Hanewinkel unterstand.

Im Jahre 1831 boten die Erben von Senator Dr. Christian Hanewinkel (gest. 1789) über die Witwe von Claus Jachens das Landgut zu Lesumbrok einschließlich Wohnhaus, Meierwohnung, Blumen- und Gemüsegarten samt dem Gutsherrnrecht instandgehaltene Meierländereien zum öffentlichen Verkauf an. Oberst Hermann Eelking, der die Ankaufsrechte erhielt, konnte aber den Kaufpreis nicht aufweisen. Für 3375 Thaler kaufte es dann Notar Dr. Gerhard Hanewinkel Witwe, Franziska Eliese, geb. Breuls. 1836 ließ sie das Landhaus neu errichten.

Die Hofstelle zu Meierrecht führte bis 1855 Frau Jachens (Ww), geb. Bolland, dann folgte ihr Sohn Claus Lüder Jachens. Ihm wurde von Frau Dr. Hanewinkel ein neuer, aber auch letzter Meierbrief ausgestellt. 1865 löste er sich mit 2320 Thaler Gold von seiner Gutsherrschaft ab und wurde freier Eigentümer des Hofes. Claus Lüder Jachens verstarb 1893. Sein Sohn Claus Arnold als nachfolgender Besitzer verstarb 1931, sein unverheirateter Bruder Hermann Jachens im Jahre 1939.

Die Gemeindeangelegenheiten in Lesumbrok, besorgten bis 1871 die Landgeschworenen. Anstehende Versammlungen der Bauernschaften wurden auf der Jachen'schen Hofstelle beim qualmenden Trankrüsel im Flett am Feuerherd abgehalten. Die Themen waren außer obrigkeitlichen Bekanntmachungen u.a. Deich-, Entwässerungs-, Wege- und Siel- Angelegenheiten. Im letzten Jahr der Zusammenkunft (1889) endeten die Befugnisse der Bauernschaften. Eine für sämtliche bremische Landgemeinden gültige Gemeindeordnung trat in Kraft. So wurde, trotz des Sträubens beider Ortschaften, Lesumbrok mit Dunge zu einer Gemeinde vereinigt. Der regelmäßig wiedergewählte Gemeindevorsteher beider Orte war bis zu diesem Zeitpunkt (1889) Hinrich Krudop. Die "Kirchspiele" wurden von den bürgerlichen Gemeinden völlig getrennt.

Friederike Jachens, geb. Meyer (die Ehe blieb kinderlos) hatte den Hof ihrer Nichte Johanna, Tochter des Bauern Meyer aus Grambke, mit der Absprache übergeben, daß Unterkunft sowie Verpflegung für sie bis zum Lebensende gewährt werde. Durch Einheirat kam Bernhard Heinrich Garbade auf diesen Hof. Der spätere Gemeindevorsteher Garbade ließ nach Jachens Tode 1939 das alte reithgedeckte Gebäude mit seinen Stalllungen abbrechen und ein neues Stallgebäude an dem 1906 erbauten Wohnhaus errichten. Die Inschrift lautet: '"Gott mit uns" Bernhard Hinrich Garbade, Johanne Garbade, geb. Meyer. Erbaut im Jahre 1939"'.

Eine zur damaligen Zeit moderne selbstregulierende Vieh- Wasserversorgung für 30 Kopf Hornvieh einschließlich Jungtiere gehörte zu den Einrichtungen des Neubaus. Von dem aufgefangenen Regenwasser des Hauses, in einer Zisterne gesammelt, wurde die Tränkanlage gespeist. Bei Wassermangel wurde die Zisterne mittels einer Schwengelpumpe gefüllt. Die Zisterne und die Zuführleitungen sind heute noch zum Teil erhalten.

Ein wiederentdeckter Brunnen hinter dem Wohnhaus, der lt. Erlaubnisschein am 15. April 1884 errichtet wurde, konnte nach der Wiederherstellung derr oberen Brunnenöffnung in den 80er Jahren dieses Jahrhunderts wieder genutzt werden.

Aus Teilen des 1939 abgebrochenen Reithdachhauses ließ Bernhard Garbade einen Schweinestall im Hinterhof erbauen, der heute als Geräteschuppen dient. 1968 wurde Garbade bei der Heuernte auf dem Felde hinter dem Gehöft vom Blitz erschlagen.

Von der Erbgemeinschaft kaufte Günter Nieswandt, nachdem das Wohnhaus für mehrere Jahre einigen Mietern zur Verfügung gestanden hatte, 1978 diese aufgegebene Hofstelle. Eine große Anzahl landwirtschaftliche Geräte aus Zeiten des bäuerlichen Betriebes hat er mit Liebe restauriert und auf der Hofseite an der Hauswand aufgestellt. Im Vordergarten findet man ausgediente Exemplare, unter anderem einen Stockanker sowie eine in der Vorkriegszeit hergestellte eiserne Glocke, die bis Mitte der 90er Jahre der Vegesacker Kirche zu Diensten stand und durch eine aus Bronze hergestellte ausgetauscht wurde. Das kostbare Metall der alten Glocke hatte man für Rüstungsproduktion im 2. Weltkrieg eingeschmolzen.

  • Erzähltes:
    • Ein Raub der Flammen wurde der auf dem Hofe stehende Wagenschuppen anfangs des Krieges, nachdem der Sohn und spätere Nochfolger Hermann Garbade dort heimlich gezündelt hatte.
    • Üblich war es auch - so die mündliche Überlieferung - daß bei besonders feierlichen Anlässen das Wasser zum Kaffeekochen mit dem Boot von einer sprudelnden Quelle jenseits der Lesum aus Knoops Park geholt wurde. Das Quellwasser sorgte für einen feineren Kaffeegeschmack.


 

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