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Marßel

INFO
Hof des Ritterhauses Marßel

Zeichnung des Ritterhauses Marßel / 1838

Haus Schmöle

August Schmöle

Johannes Pellens und Frau / 1924

Marßel und das Marßeler Feld

  • Die ersten Marßeler wohnten droben auf der Geest, auf dem "Marßeler Feld". Schon um 9000 v. Chr. legten sich hier späteiszeitliche Rentierjäger einen Rastplatz an. Im dritten Jahrtausend vor der Zeitenwende entstand eine spätkupferzeitliche Siedlung der Trichterbecherkultur. Eine beim Bau der Stader Landstraße 1821 ans Tageslicht geförderte römische ((Terra-Sigillata-Schüssel)) aus der Zeit um 150 n. Chr. ist vielleicht ein Zeuge für das hohe Alter der Handelsstraße, die durch Marßel führte. Es war die Straße von Lübeck nach Brabant.

 

  • Die ersten urkundlichen Erwähnungen des Ortes meinen schon das heutige ((Alt-Marßel)) zwischen Deich und Hang. Die Urkunden berichten von den Rittern von Marßel, die — so eine Urkunde von 1388 — auch „von Kehdingen“ heißen.

 

  • Vielleicht nicht von Anfang an. Eine Urkunde von 1185 nennt „Gerwardus von Mercele“.

 

  • 1388 verkaufen „Hinrik und Hermen van Merzele“ dem Rat der Stadt Bremen einen 90 Fuß breiten Landstreifen zwischen Marßel und der neuerbauten Burger Lesumbrücke zur Errichtung des „Steindamms" ‚ einer winterfesten Zuwegung.

 

  • Die letzte Erwähnung eines Ritters von Marßel findet sich in einer Urkunde aus dem Jahre 1457. Um 1500 war das Rittergut im Besitz der Familie Wagenfeld aus Bremen; 1550 wird als Gutsherr Harbert von Apen genannt, 1584Johann von Luneburg, 1618 der bremische Bürgermeister Diedrich Hoyer, 1642Arend von der Hude, 1652Ulrich Brauns, 1664 der Landrat von der Kuhla. 1695 erwirbt das Gut Landrat Otto Magnus von Düring, der es dann am 1. Mai 1727 an Carl Friedrich Freiherr von Lilienburg (1679 bis 1729) weiterverkauft.

 

  • Das Geschlecht derer von Lilienburg war mit dem schwedischen Königshaus verwandt. Die Mutter von Carl Friedrich von Lihenburg war eine Nichte des Königs Karl X.; Prinzessin Julienne von Hessen-Eschwege. Als junges Mädchen hatte sie sich am Hof in Stockholm in einen verheirateten Oberst, Gustav Helmer Lillie af Liljenborg, verliebt. Als sie von ihm 1672 ein Baby zur Welt brachte, völlig unerwartet in der Karosse der ((Königin-Mutter)) und auch noch im Beisein der Königin, war der Skandal perfekt. Julienne und ihr Liebhaber wurden „verbannt. Erst 1678 darf die Prinzessin an den Hof zurückkehren. Sie verliebt sich aufs neue. Diesmal in den Sekretär des niederländischen Botschafters, Johann Jakob de Marchand. Wieder wird sie schwanger. Das Paar flieht nach Holland; In Harlem kommt Carl Friedrich 1679 zur Welt. Der Entbindung folgt eine „nichtöffentliche Eheschließung“. Aber 1680 wird dann alles gut; Der König von Holland verleiht Johann Jacob de Marchand die Drostei Isselstein, der König von Schweden macht ihn zum „Freiherrn von Lilienburg“. Vermutlich war das eine Anspielung auf Juliennes frühe Liebe.

 

  • Carl Friedrich von Lilienburg ist in Stotel, damals noch ein Besitz der landgräflichen Familie von Hessen-Eschwege, aufgewachsen. 1705 heiratet er in Isselstein Maria de Spengel (16751747), die ihm schon 1700 einen Sohn, Friedrich Albrecht, geboren hatte. Die Verhältnisse stabilisieren sich erst mit dem Erwerb von Marßel.

 

  • Er erfreut sich des Besitzes nicht allzulange. 1729, den 29. November abends‘, heißt es im Lesumer Kirchenbuch, „wurde der Hochwohlgeborene Herr Baron Carl Friedrich von Lilienburg, Erbherr auf Marßel, 49 Jahre alt, nach einer vom Pastoren gehaltenen Parentation (= Leichenpredigt) mit Hochadeligen Ceremonien in Lesum beigesetzt.

 

  • Sein Sohn, Friedrich Freiherr von Lilienburg (17001750) ist wohl der Erbauer des Ritterhauses. Im folgte Carl Friedrich von Lilienburg (17441818), ein Zwerg. Er blieb unverheiratet, zeugte aber mit der Frau seines Verwalters Thürnah, genannt „Turnau“, Susanna Cornelia geb. Schröder, einen Sohn und Erben; Carl Friedrich Turnau (17811855).

 

  • Marßel ist damals schon kein reines Bauerndorf mehr; Neben den 10 Höfen, die 1851 insgesamt über 1321 Morgen Land verfügten — zum Vergleich; in Lesum hatten 12 Bauernstellen 941 Morgen —‚ gab es 15 Familien, die sich „angebaut hatten. Marßel hatte zwei Gastwirte, einen Kaufmann, einen Stellmacher, einen Dachdecker. Es gab eine Blauholzmühle. Der Windmüller Meyerholz legte sich zu seiner Kornmühle noch eine Grützmühle zu. Der Bremer Bürger Johann Gottlieb Hemleb richtet in den Wirtschaftsgebäuden des Turnauschen Guts eine Bierbrauerei ein.

 

  • Auch zwei jüdische Familien siedeln sich in Marßel an. 1851 wird die Synagoge für die jüdische Gemeinde Lesum nach Marßel verlegt. 1888 eröffnet Dr. Adolph Goldberg, Sproß einer dieser Marßeler Judenfamilien, im Nebenhaus des Hofes von Dierksen seine Arztpraxis.

 

  • Als sich Bremer Familien am hohen Ufer der Lesum „ Landsitze“ einrichten, wird auch Marßel von ihnen entdeckt. 1855 kauft Heinrich Frerichs aus Bremen einen Hof und baut sich dort ein Landhaus. Den Park gestaltet Wilhelm Benque. Landhaus und Park haben die Zeiten überdauert: Seit 1912 im Besitz der Familie Schmöle, die das Lilienburgsche Ritterhaus dazu erwarb.

 

  • 1843 heiratete der Wegebau- Condukteur Johann Christoph Pellens in den Pundtschen Hof in ((Alt-Marßel)) ein. Er hatte 6 Söhne und zwei Töchter: Einer davon, Johannes Pellens, lebte längere Zeit in den USA, bevor er nach dem Tod von zwei älteren Brüdern das Erbe antrat. Er baute seiner Frau, Alma geborene Brinkama, die "Villa Marßel". 1927 stiftete er der Gemeinde Burgdamm das Gelände für die Errichtung einer Sportanlage. Nachdem im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmem 1931 und 1932 durch Erwerbslose ein „Stadion errichtet worden war, wurde im Dritten Reich die Sportanlage als Lager des Reichsarbeitsdienstes genutzt. Heute ist das Gelände als „Johannes-Pellens Bezirkssportanlage“ wieder seiner ursprünglichen Zweckbestimmung zugeführt.

 

  • Die Sportstätte bildet gleichsam eine Brücke zwischen ((Alt-Marßel)) und dem 1963 bis 1968 von der „Neuen Heimat‘ geschaffenen Siedlungsgebiet „Marßeler Feld". Die mit dem Ritterhaus verbundene Schweden-Tradition ist hier in den Straßennamen aufgenommen. Neben der „Stockholmer" ‚ gibt es allerdings auch eine „Osloer“ ‚ „Kopenhagener“ und „Helsinkistraße“. Aber die skandinavischen Länder sind ja untereinander in ihrer Geschichte vielfach verbunden. Eine „Dänen-Zeit“ erlebte unser Raum bekanntlich in den Jahren 1712 bis 1715.

 

  • Die Kirchen des Marßeler Feldes fügen sich in diese Linie ein: Die evangelisch-lutherische trägt den Namen des schwedischen Erzbischofs Nathan Söderblom (18661931), die katholische ist der Heiligen Birgitta, einer schwedischen Ordensgründerin aus dem Spätmittelalter geweiht.

 

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