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Hamburger Bandit an der Lesum erschossen / 1955
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Weser-Kurier, Sonnabend, den 15. Oktober 1955

Hamburger Bandit an der Lesum erschossen

INFO
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Drei verwegen aussehende Gesellen, die sich als Bierfahrer ausgaben ("Wir sind auf Reklamefahrt“) sich versuchten gestern früh auf der Deichstrasse im Niederblockland Flaschenbier kastenweise an die Bevölkerung zu verkaufen. Niemand ahnte, dass der Lieferwagen in der Nacht zum Freitag in Hamburg gestohlen worden war. Großspurig bot das Kleeblatt der Bevölkerung zwischendurch „Kostproben“ an – kostenlos.

Ortsamtsvorsteher und Deichhauptmann Hinrich Kropp täuscht sich nicht, als der um 7.55 Uhr den Polizeimeister Alfred Metz vom Polizeiposten Blockland verständigte: „ Mit den dreien scheint was nicht zu stimmen!“

Metz schwang sich auf sein Motorrad. Da kamihm das Bierauto auch schon auf der Deichstrasse in Richtung Ritterhude Heerstrasse entgegen. Metz gab ein Haltezeichen. Die Burschen kümmerten sich nicht darum und erhöhten die Geschwindigkeit – um ein Haar wäre der Polizeimeister überfahren worden. Dann raste der Lieferwagen im 60 km-Tempo in Richtung Wasserhorst weiter, Metz hinterher. Jedesmal, wenn der Polizeibeamte den flüchtigen Wagen überholen wollte, drückte der Lenker des Fahrzeuges den Wagen an die Seite. In einer starken Rechtskurve zog einer der Banditen einen Trommelrevolver und schoss aus dem Seitenfenster. Da schoss auch Metz, traf aber statt der Bereifung nur die Kotflügel. Weiter ging die Verfolgungsjagd über die Grambkemoorer Landstrasse und die Lesumbrücke in Burg zum Steindamm in Burgdamm.

Da geschah etwas Unvorhergesehenes. Als die Banditen den Steindamm hochpreschten, um auf die Stader Landstrasse zu kommen, gingen die Schranken an der Bremerhavener Eisenbahnstrecke – der E-Zug Frankfurt – Cuxhaven näherte sich.

Augenzeugen berichteten: „Die drei Verbrecher sprangen vom Fahrzeug, das noch ein Stück zurückrollte, und verschwanden in langen Sätzen in Richtung der 400 Meter entfernt liegenden Autobahn - immer über Zäune, Gräben und Wiesen hinweg. Hier verlor sich ihre Spur.

Inzwischen war für die Polizei Grossalarm gegeben worden. 6 Polizeifunkwagen unterstützten die Fahndung eines verstärkten Einsatzkommandos. Aber die Polizei konnte die Flüchtigen nicht fassen. 11.40 Uhr wurde die Fahndung abgebrochen.

Eine knappe Stunde später war es, als der fünfjährige Schäferhund „Bode von der Gärtnershöhe“ des Polizeihauptwachtmeisters Dierssen , die sich gemeinsam auf dem Nachhauseweg befanden, in einem mit Brombeerbüschen bewachsenen, hügeligen Gelände in Marssel Witterung aufnahm.

Der Beamte erzählt: „Ich hatte den Hund an der Leine . Er wurde unruhig. Da hörte ich es aus dem Gebüsch rascheln Ein helles Halstuch lugte aus dem Versteck. . Ich rief „Halt, oder ich schiesse.“ Im gleichen Moment machte ich den Hund los und gab zwei Warnschüsse ab. Als einer der beiden in gebückter Haltung in die Tasche griff, fühlte sich der Beamte bedroht. Ein Schuss traf den Verbrecher in die Brust. Er schleppte sich noch ein Stück weiter und blieb dann tot liegen: Herzsteckschuss.

Aber auch den Polizeihund Bodo hatte es erwischt, er war direkt in die Schussbahn einer Kugel gesprungen und verendete kurz darauf.

Während der eine Verbrecher, ein 26jähriger Hamburger, sofort in Handschellen gelegt werden konnte, wurde der zweite dank des Hinweises eines Zivilisten wenig später in der Stader Landstrasse gefasst. Bei einem der Festgenommenen wurde ein Trommelrevolver gefunden. Ob die Verbrecher weitere Waffen etwa fortgeworfen haben, konnte nicht ermittelt werden.

Die kriminalpolizeilichen Ermittlungen ergaben, dass man es mit schweren Jungens zu tun gehabt hatte. Bei dem erschossenen Gangster, dem 28jährigen Erst Schwan, handelt es um einen berüchtigten Kapitalverbrecher, der erst vor kurzem aus einer mehrjährigen Strafhaft entlassen worden war. Insgesamt verbrachte er sieben Jahre hinter Gittern. Auch die beiden Komplicen, zwei Hamburger Arbeiter im Alter von 26 und 27 Jahren, sind wiederholt vorbestraft.

Nach dem Motiv des Autodiebstahls in Hamburg befragt, erklärten die beiden Festgenommenen: „Wir waren in Hamburg in einem Rauschgiftdelikt verwickelt; uns schien, die Polizei sei uns auf der Spur. So beschlossen wir, uns nach München abzusetzen. Um Geld zu machen, wollten wir die auf dem Lieferwagen befindlichen Getränke verkaufen. Unbewegt sassen die gefesselten Verbrecher nach ihrer Festnahme in der Polizeiwache Lesum.Der Tod ihres Komplicen beeindruckte sie wenig. Ohne äusserliche Erregung liessen sie sich in ihre Zellen führen.


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