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Dritter MPU-Standort in Bremen / 2011



Weser-Kurier - 24.09.2011

Neueröffnung in Burg

Dritter MPU-Standort in Bremen

Von IRIS MESSERSCHMIDT

Burg-Grambke. Das Gläschen Sekt zur Begrüßung - es war alkoholfrei. Geladen war zur Neueröffnung der amtlich anerkannten Begutachtungsstelle für Fahreignung der Dekra in Bremen-Nord. Der TüV-Nord hat noch zwei Standorte für eine sogenannte MPU, je eine in Bremen und Bremerhaven. Zur gestrigen Eröffnung zeigte in Burg-Grambke gleich am Eingang ein Unfallwagen, was Fahren unter Alkoholeinfluss anrichten kann.

Der 26-jährige Fahrer, zwei 21-jährige Beifahrer und eine 16-jährige Beifahrerin starben, als der Audi im vergangenen Jahr in Kirchweyhe mit 107 Stundenkilometer frontal vor den Baum krachte. Zwei weitere 16-Jährige wurden schwer verletzt - sechs junge Menschen, nicht angeschnallt und unter Alkoholeinfluss nach dem Diskobesuch auf den Weg nach Hause. Die Situation mit einem Stück Baumstamm und dem Unfallwagen auf dem Anhänger war nachgestellt, der dazu laufende Film erklärte den Unfallhergang. "Vielleicht wird ja doch der eine oder andere dadurch auf die Gefahr aufmerksam", hoffen Thomas Stransky und Georg Fokken von der Verkehrswacht Vechta, die mit diesem "Präventionsanhänger" in der Region ständig unterwegs sind.

"Gute Vorsätze sind alkohollöslich"


Tatsächlich sind in Deutschland statistisch die Zahlen für angeordnete Medizinisch-Psychologische-Untersuchungen (MPU) zurückgegangen. "Vor gut zehn Jahren waren es noch durchschnittlich 150000 MPUs im Jahr, mittlerweile sind wir bei 100000 deutschlandweit", erklärt Oliver Monschau, Leiter der neuen Begutachtungsstelle in Bremen-Nord. Seit 19 Jahren ist er im "MPU-Geschäft" und weiß eines ganz sicher: "Gute Vorsätze sind alkohollöslich und dies gesellschaftsübergreifend." Ob arbeitsloser Hartz IV-Empfänger oder gestresster Chefarzt: "Ich hatte schon mit allen zu tun und gehe grundsätzlich davon aus, dass niemand mit Vorsatz seinen Führerschein verlieren wollte. Aus diesem Grund behandele ich die Betroffenen auch immer als ,Kunden'. Was für mich zählt, ist die ehrliche Beantwortung der Frage nach dem Warum - und das ist oftmals der schwierigste Moment", erklärt Diplom-Psychologe Oliver Monschau. Der Verlust des Führerscheins und damit einhergehend die

MP-Untersuchung ist jedoch schon längst nicht mehr alleine auf Alkoholkonsum zurückzuführen. "Bessere Schulungen der Polizei überführen auch immer häufiger Drogenkonsumenten am Steuer", berichtet Monschau. Ebenfalls ein zunehmendes Problem: "Aggressionen im Straßenverkehr", erläutert Monschau weiter. Wer allerdings glaubt, allein durch Alkohol, Drogen oder Aggressionen im Straßenverkehr den Führerschein verlieren zu können, der irrt.

Neben einem Blutalkoholwert von mehr als 1,6 Promille, 18 Punkten in Flensburg, innerhalb von zehn Jahren, zwei Fahrten mit 0,51 Promille oder Drogenkonsum können auch eine schlecht eingestellte Diabetes, ein Schlaganfall, mehrfache Verurteilungen wegen Schlägereien oder Auffälligkeit wegen Trunkenheit (nicht im Straßenverkehr) Eignungszweifel an der Fahrerlaubnis nach sich ziehen. "Alles amtlich dokumentierte Beispielsfälle, in denen die Behörden Medizinisch Psychologische Untersuchungen anordneten", berichtet Monschau. Bevor die Fahrerlaubnis neu erteilt wird, muss ein Antrag bei der zuständigen Fahrerlaubnisbehörde gestellt werden, dann gilt es, die MPU zu bestehen. In welcher Begutachtungsstelle der Betroffene diese MPU macht, bleibt ihm selbst überlassen. Je nach Schwere kann die MPU zwischen zwei bis vier Stunden dauern, die Kosten trägt der Betroffene selbst, die liegen zwischen 350 und 765 Euro.

Das MPU-Gutachten besteht aus drei Teilen: medizinische Untersuchung, Gespräch mit Verkehrspsychologen und Reaktionstest am Computer. "50 Prozent der Gutachten fallen positiv aus, bei circa 20 Prozent gibt es ein Gutachten mit Kursempfehlung. Nur ein Drittel wird negativ bewertet", berichtet Birgit Bott von der Dekra. Dieses sei Mitte der 90er Jahre noch umgekehrt gewesen. "Das liegt nicht zuletzt am umsichtigeren Verhalten der Betroffenen", weiß Bott.

In Bremen-Nord gibt es ab sofort auch jeden zweiten und vierten Mittwoch im Monat ab 18 Uhr in der Begutachtungsstelle am Steindamm 44 kostenlose Infoabende, die den MPU-Ablauf genau erläutern.

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